Im Gedenken an die vermissten Soldaten im August 1944
  Die Katastrophe in Rumänien
 

 

Rumänien (August 1944)
 
In der Geschichte des Ostfeldzuges gibt es kaum einen Kampfraum, der im Hinblick auf die dort in Gefangenschaft geratenen deutschen Soldaten so viele Fragen offengelassen hat wie Rumänien. Wiederholt ist in den vergangenen Jahren an das Schicksal der Rumänien-Gefangenen die Vermutung geknüpft worden, sie müssten zum
größten Teil in sogenannten „Schweigelagern“ spurlos verschwunden sein. Dabei hat man übersehen, dass die Ereignisse in Rumänien eine nicht weniger große Katastrophe darstellen wie diejenigen in Stalingrad oder im Mittelabschnitt der Ostfront. Nachdem die 6. Armee in Stalingrad zerschlagen worden war, wurde sie zum zweiten
Male aufgestellt, um schließlich in Rumänien abermals unterzugehen.
Im Sommer 1944 verlief die Front im Süden zwischen den deutsch-rumänischen und den sowjetischen Verbänden vom Quellgebiet des Sereth an den Karpaten über den Sereth und den Pruth hinweg, an Jassy vorbei östlich Kischinew, entlang des Dnjestr bis zu dessen Mündung in das Schwarze Meer. Auf deutscher Seite stand die Heeresgruppe „Südukraine“ mit der 6. und 8. deutschen Armee sowie der 3. und 4. rumänischen Armee. Ihr gegenüber massierte sich die II und III. „Ukrainische Front“ mit insgesamt 7 Panzerkorps und 90 Schützendivisionen. Am 20. August 1944 brach der Sturm los. Die II „Ukrainische Front“ trat zwischen Sereth und Pruth in Richtung
Südwesten und Süden zum Angriff an, während die III. „Ukrainische Front“ nach Westen vorstieß. Die ungeheure Überlegenheit des Gegners an Menschen und Material zeigt die Tatsache, dass bei dem einsetzenden Trommelfeuer auf die deutsch-rumänischen Stellungen auf einen Kilometer etwa 200 Rohre schossen. Bereits zwei Tage später, am 22. August 1944, war das Gros der unglücklichen 6. Armee am unteren Pruth eingekesselt, während die 8. Armee kämpfend in die Ostkarpaten auszuweichen versuchte. Am 24. August 1944 fiel Kischinew, die Sowjets stießen auf Focsani und längs der Küste auf Ismail und Galatz vor. Am gleichen Tag landeten sie in Constanza,
der dortige deutsche U-Boot-Stützpunkt ging verloren. Am 30. August 1944 war Ploesti mit seinen Ölfeldern in sowjetischer Hand, und als am 31. August 1944 Bukarest eingenommen wurde, war das Schicksal Rumäniens (und mit ihm zugleich auch Bulgariens) besiegelt. Da die rumänischen Verbände infolge des politischen Umschwungs in Rumänien zum großen Teil vorzeitig die Waffen niederlegten oder sich auf die Seite des Feindes schlugen, um gegen die ehemaligen deutschen Waffenbrüder zu kämpfen, darf angenommen werden, dass sich die folgenden Zahlen nahezu ausschließlich auf deutsche Soldaten beziehen, zumindest, was die Gefangenen betrifft, von denen nun gesprochen werden muss. Bei den angestellten Untersuchungen wurden außerdem die verhältnismäßig kleinen Kontingente an rumänischen Gefangenen eliminiert, um ein klares Bild über die deutschen zu gewinnen.Auf deutscher Seite standen zu Beginn der Kämpfe etwa 400000-450 000 Mann, ungefähr 30 Divisionen. Nach eigenen Unterlagen und nach sowjetischen Meldungen sind bei den Kämpfen, ganz besonders in Bessarabien und in der Moldau, beim Pruthübergang und der sich anschließenden Kesselschlacht nach der Einkreisung der 6. Armee etwa 100000-12500 Mann gefallen. „Die 161. I.D., mit ihr die Kraftfahrzeugkompanie 241, war in dem Raum von Kischinew eingesetzt. Am 20. August gingen wir unseren Schicksalsweg. Wir haben vier Kessel durchbrochen. Am 25. August kam der letzte Armeebefehl. Kleine Kampfgruppen bilden und Marschzahl 24 (in die Pruth- Sümpfe hinein). Die 13. P.D. hält den Pruthbrückenkopf. Bei den Durchbruchsschlachten hatten wir zirka 50 Prozent der Mannschaften verloren, die tot oder verwundet zurückbleiben mussten. In der Schlucht am Pruth blieben allein 4000 Verwundete zurück. Der Pruthübergang war schrecklich, der Pruth sehr reißend und tief. Am 28. August waren wir glücklich über dem Strom, am 29. August kamen wir an einen Nebenarm vom Pruth, hier war die Schleuse gezogen, alles ein See; bis zur letzten Patrone
verschossen, nahm uns der Russe in Empfang, und wir waren Gefangene. Wir wurden gesammelt und zu einem Zug von 92 Hundertschaften zusammengestellt, und jetzt begann der Leidensweg von Hussi nach Balti, zirka 300 km. Verpflegung gab es nicht, nur das, was uns die rumänischen Frauen zuwarfen. Panzer und Kraftfahrzeuge fuhren in die Kolonnen hinein. Russenweiber schossen und warfen Handgranaten. Übermüdete und Schlappe wurden erschossen. Bei der Übergabe in Balti waren es nur noch 48 1/2 Hundertschaften. Die Hälfte war auf dem Marsch umgekommen. Am 14. September erhielten wir das erste Essen, ganz nasses Brot; es setzte Ruhr und Typhus ein. Jeden Tag starben 800 – 1200 – 720, so dass man einen Durchschnitt von 800 Toten am Tage nicht als zu viel ansetzt. Es waren zirka 20000 Mann im Lager. Es kamen immer mehr Transporte, aber es wurden nicht mehr. Diese wurden als Tote wieder in der Nacht weggebracht.“ „Am 22. August“, berichtet ein ehemaliger Regimentsadjutant, „greift die feindliche Infanterie mit starker Artillerie- und Panzerunterstützung die schwachen deutschen Linien an und wirft uns weiter nach Westen zurück. Seit diesem Augenblick kann von einem geordneten Rückzug nicht mehr gesprochen werden. Auf höheren Befehl müssen sofort sämtliche Gepäckfahrzeuge vernichtet werden. Bei einem Befehlsempfang auf dem Div.- Gefechtsstand – auf dem Wege dorthin zwangen mich feindliche Jäger dreimal in Deckung, von deutschen Flugzeugen ist nichts zu sehen – erfahre ich, dass die Division in der folgenden Nacht zum Pruth durchbrechen soll. Im Raum nördlich Leova sollen sich das 29., 30. und 44. Korps sammeln, um mit Hilfe der uns bei Hussi erwartenden
zwei deutschen Panzerdivisionen den Pruth zu überschreiten. Die Nacht offenbart uns unsere wirkliche Lage. Wir sitzen in einem großen feindlichen Kessel! Durch heftigen Beschuss aller Kaliber kämpft sich die Division unter schweren Verlusten zum Pruth durch, den wir im Morgengrauen erreichen. Im Laufe des Tages strömen die Reste der drei Korps in diesen Raum ein. jenseits des Flusses (40–50 Meter breit) dehnt sich hinter einem festeren, leicht bewaldeten Streifen eine Sumpfniederung von fast 2 km Breite. Von den drüben erwarteten zwei deutschen Panzerdivisionen ist nichts zu sehen, dagegen nehmen uns vereinzelte feindliche schwere Waffen aus Stellungen jenseits des Sumpfes unter Feuer. Zum Übersetzen stehen
nur zwei Schlauchboote für alle drei Korps zur Verfügung. Behelfsmäßig werden einige Flösse hergestellt. Teils mit diesen Übersetzmitteln, teils schwimmend gelangen die Soldaten unter immer stärker werdendem russischem Artillerie-, Granatwerfer-, Panzer- und Pakfeuer ans westliche Ufer. Von einigen in Stellung befindlichen deutschen Geschützen wird das feindliche Feuer schwach erwidert. Die nicht benötigten Kanonen, schweren Waffen (keine Munition) und Fahrzeuge aller Art werden vernichtet oder im Fluss versenkt. Ein Bild des Grauens. Das Übersetzen der drei Korps nimmt volle zwei Tage in Anspruch. Verluste entsprechend. Auf dein erwähnten festen Streifen versuchen die drei kommandierenden Generale mit gewissem Erfolg eine Gliederung nach Kampfgruppen. Die gebildeten Kampfgruppen erhalten entsprechende Befehle.
Dem Ia des 29. Korps wird der Auftrag erteilt, den Weg über die einzige Brücke, die die tiefste Stelle des Sumpfes überspannt, zu erkunden und über ihre eventuelle feindliche Besetzung aufzuklären. Bei der Führung in der Nacht verirrt sich jedoch der Ia auf dem erkundeten Weg, die Brücke wird verfehlt. Die Kampfgruppen werden auf den festen Boden zurückgenommen und graben sich ein. Das Unternehmen soll in der nächsten Nacht wiederholt werden. Da sich jedoch das feindliche Feuer im Laufe des Tages derartig verstärkt,
dass ein weiteres Ausharren bei der großen Masse der Menschen auf dem vorhandenen engen Raum einen Wahnsinn bedeutet, erheben sich die Reste der drei ehemaligen Korps zu einer Verzweiflungstat sondergleichen, die zu den einmaligen Geschehnissen des letzten Krieges zählen dürfte. Durch teilweise bis zum Kinn reichendes
Wasser, mit ihren Waffen in den emporgehaltenen Händen, überrennen die Soldaten im Wirbel der krepierenden feindlichen Granaten unter lauten Hurrarufen, ohne selbst schießen zu können, die unermüdlich feuernden russischen Linien jenseits der Niederung. In den anschließenden großen Waldungen sammeln sich die Überlebenden. Der gleichfalls mit durchgebrochene General würdigt
in einer kurzen Ansprache den Durchbruch als eine der glänzendsten Heldentaten des letzten Krieges. Infolge des ungeordneten Durchbruchs sind sämtliche bisher noch wirksam zusammengehaltenen Restteile der einzelnen Einheiten auseinandergerissen. Es ist nicht leicht, die heillose Verwirrung zu schildern, in der sich das damalige Geschehen vollzog. Nur sie macht es verständlich, dass so wenig über den letzten Einsatz und das Vermisst sein des einzelnen Mannes berichtet werden kann.“ Rund 200000 Mann gerieten in Gefangenschaft. Der Rest, vorwiegend Angehörige der schwer angeschlagenen 8. Armee, konnte sich zu den Karpathenpässen durchschlagen. Er ist später in der ungarischen Tiefebene erneut in verlustreiche Kämpfe verwickelt worden.
Es ist nun keineswegs so, als kenne der Suchdienst, wie häufig angenommen wird, kaum die Anschriften von Heimkehrern, die in Rumänien eingesetzt waren. Vielmehr hat er in seinen Karteien etwa 80000 ehemalige Rumänien- Kämpfer registriert, wobei allerdings unbekannt ist, wie viele in die Ostzone zurückgekehrt sind. Immerhin besagt diese Zahl zweierlei: einmal, dass die Nachforschung nach dem Verbleib der Rumänien-Kämpfer und Rumänien-Gefangenen auf einer viel breiteren Basis steht als diejenige nach den Stalingradern; zum anderen auch, dass nur etwa der fünfte bis sechste Teil der einstigen Rumänien- Armee die Katastrophe überlebt hat. Die anschließende
Rekonstruktion des Schicksals der Rumänien-Gefangenen wird dieses schmerzliche Bild verdeutlichen.
Die Abbildung 1 zeigt die wichtigsten Sammellager, in denen die Gefangenen vorübergehend konzentriert wurden, um schließlich in die Sowjetunion abtransportiert zu werden. Bevor es jedoch zu dieser
Konzentration kam, hatten die überlebenden vom Ort der Gefangennahme zum Sammellager oder von einem Sammellager zum anderen zu marschieren, wobei Märsche von mehreren hundert Kilometern und wochenlanger Dauer keine Seltenheit waren. Man gewinnt beim Studium der Berichte den Eindruck, als seien die 200000 Gefangenen lange Zeit ununterbrochen in Bewegung gewesen,
so dass es auch unmöglich wird, genaue Belegungszahlen für die
einzelnen Sammellager zu nennen. Der Grund, weshalb diesen Märschen ein besonderer Raum gewidmet ist, ist jedoch der: es kam hierbei zu beträchtlichen Ausfällen unter den Gefangenen. Die Ursachen waren mannigfacher Art: Erschöpfung, Verwundung, Krankheiten wie Ruhr und Typhus, Wassermangel, Hunger, Erschießung wegen angeblicher „Disziplinlosigkeit“, Freitod.
„Auf dem Marsch von Hussi nach Jassi verstarben von 3000 Gefangenen etwa 600-700 an Entkräftung. Auf den Märschen sind durchschnittlich etwa 10–15 Prozent der Gefangenen aus den genannten Gründen ums Leben gekommen.“ „Gefangennahme: 27. August 1944 am Pruth. Marsch bis Balti in Bessarabien, zirka zwei Wochen. Wer nicht mitkam, wurde erschossen. Bei einem Marschtempo von vier Kilometer je Stunde wurden auf dem Marsch von mir im Verlauf von 2–3 Stunden eines Tages etwa 200 tote
Soldaten am Marschweg gezählt. Diese Toten rühren wohl
von früheren Marschkolonnen her.“ „Vom Ort der Gefangennahme an der Donau hatten wir bis zum Sammellager Focsani in Marschsäulen von je 2000 Mann zu marschieren. Es gab täglich Ausfälle von 15–20
Mann, vorwiegend durch Erschießungen. Als die Gefangenen dann endlich nach Wochen in den Sammellagern zusammengezogen waren, hatte ihre Gesundheit bereits schwer gelitten. Ihre Anfälligkeit gegenüber ansteckenden Krankheiten, wie sie bei einer solchen
Zusammenpferchung vieler Tausender von Menschen an der Tagesordnung sind, war daher besonders groß – ebenso die Zahl der Toten. Zeitweise waren in Balti z. B. 30000, in Focsani 25000, in Jassy 20000 (häufig wird sogar die doppelte Anzahl genannt) und in Reni etwa 12000 Mann konzentriert, meist unter freiem Himmel, bei völlig
unzulänglichen hygienischen Verhältnissen und praktisch ohne ärztliche Fürsorge. Auch für Tiraspol, einem der wichtigsten Gefangenenlager, wird eine sehr hohe Gefangenenzahl genannt, nämlich 40000. In den Sammellagern wüteten daher Ruhr, Typhus, Fleckfieber, Tbc, Gelbsucht und andere gefährliche Krankheiten.
„Gestorben sind an Hunger und Ruhr im Sammellager Tiraspol bzw. seinen sanitären Notanstalten in der Zeit von Ende August 1944 bis Mitte Januar 1945 nicht weniger als 11500 Mann. Diese Zahl ist von zehn Ärzten errechnet, die bis zum fast vollständigen Abtransport der Kriegsgefangenen nach dem Zentrum Russlands noch in den einzelnen Unterabteilungen des Lazaretts zurückblieben. Bei meinem Abtransport sowie dem der übrigen Ärzte blieben noch etwa 350 Kriegsgefangene zurück, ebenfalls in bedrohlichem Zustand, so dass sich die Totenzahl noch erhöht.“ „Im Durchgangslager Balti (Belzy) in Bessarabien befanden sich zum allergrößten Teil Angehörige der 6. Armee, die im August 1944 nach der Kapitulation Rumäniens in Gefangenschaft geraten waren. Die Gefangenen kamen z. T. dürftig bekleidet, fast alle aber unterernährt und erschöpft im Lager an. Leute, die verwundet in Gefangenschaft geraten waren, dürften den Marsch zum Sammellager nicht geschafft haben. Im September 1944 brach
in diesem Sammellager Balti, das eine Stärke von 22000- 24000 Mann aufwies, eine Ruhrepidemie aus, die innerhalb von vier Wochen schätzungsweise 13000–17 000 Mann hinwegraffte. Z. B. starben etwa 600 Mann an einem Tag. Eine Registrierung wurde und konnte bei diesem Massensterben naturgemäß nicht durchgeführt werden.“ „In Jassy wurden alle sogenannten „Lazarettlager“, d. h. Ruinen, Schuppen, Erdbunker usw. mit Gefangenen vollgepfercht – ohne jede Möglichkeit einigermaßen medizinischer Versorgung, wobei die Ruhr grassierte und dabei die gegebene Ernährung (fast 80 Prozent nur Sojamehl) das ihre tat, die Sterblichkeit ständig steigen zu lassen. Nach verschiedenen Umgruppierungen kam ich Oktober/ November in ein
Krankensammellager (Gefangenenlazarett genannt), wo wir alles
taten, um mit unvorstellbar primitiven Mitteln zu heilen und zu helfen (große Operationen mit Minimalbesteck, Bluttransfusionen aus
Blechirrigator usw.). Trotzdem verstarben dort von Oktober 1944 bis Februar 1945 von vielleicht 7000 Mann zirka 3900. Einige an den Folgen ihrer schweren Verwundungen (Brust-, Bauchschüsse usw.). Einige an Fleckfieber und fast 3000 Mann an Ruhr und Dystrophie.“
Solche Berichte lassen leider keinen Zweifel daran aufkommen, dass die Sterblichkeit unter den Rumänien-Gefangenen vor Beginn der Transporte in die Sowjetunion (einschließlich der auf den Märschen Verstorbenen) wenigstens 30–35 Prozent betragen hat. Bei  vorsichtiger Überprüfung aller diesbezüglicher Zahlenangaben muss
man feststellen, dass etwa 60000 gefangene Soldaten ihr Leben eingebüßt hatten, als sich die Transportzüge nach Osten in Bewegung setzten. Nur etwa 140000 konnten die Waggons besteigen – aber vor ihnen lag weiterhin das Gespenst des Hungers, der Krankheit und damit des Todes. Unterernährt und damit körperlich geschwächt, ohne genügend Trinkwasser, in so großer Zahl in den einzelnen
Waggons zusammengepfercht, dass man sich kaum rühren konnte, wochenlang unterwegs – d. h.: wer nicht eine Bärennatur besaß und wer sich nicht seelisch zu halten wusste, musste ein Opfer dieser Strapazen werden. „Auf der Fahrt von Jassy nach Pensa, die vier Wochen dauerte, verstarben von 1500 Mann etwa 300.“ (Anmerkung:
das sind 20 Prozent.) „Von Balti nach Armavir brauchten wir drei Wochen. Unterwegs starben von 2000 Mann vielleicht 500.“ (Anmerkung: das sind 25 Prozent.) „Von Focsani nach Resch im Ural (29. Oktober 1944 bis 17. November 1944) kamen 300 Kameraden ums Leben. 3000 waren mit mir abgefahren.“ (Anmerkung: das sind
10 Prozent.) „Unterwegs von Roman bis Rybinsk, innerhalb von zwei
Wochen, kamen 350 Mann um. Anfangs waren wir 2800.“ (Anmerkung: das sind 13 Prozent.) „Von Tiraspol nach Mias (21. September 1944 bis 14. Oktober 1944) verstarben 300 Mann von 15oo.“ (Anmerkung: das sind 20 Prozent.) Die wochenlangen Transporte in die Sowjetunion forderten neue Opfer unter den Rumänien-Gefangenen. Die durchschnittliche Sterblichkeit auf dem Transport dürfte etwa bei 10–15 Prozent liegen, so dass von den ursprünglich rund 140 000 Abtransportierten nur etwa 120000–
125000 die eigentlichen Kriegsgefangenenlager erreicht haben.
Erinnert man sich jetzt daran, dass eingangs etwa 20000
Mann gefangen genommen worden waren, so steht fest, dass
von diesen nur etwa 6o Prozent lebend in die Sowjetunion gekommen
sind. Die Frage, in welchen Gebieten der Sowjetunion diese Gefangenen ausgeladen wurden, beantwortet die zweite Abbildung. 
 
(Die unterwegs verstorbenen Gefangenen sind
in diesen Zahlen noch enthalten.) Dabei fallen insbesondere zwei Dinge auf: die starke Konzentration in der südlichen Hälfte des europäischen Russland (Donezgebiet, Ukraine, Kaukasus) und das Fehlen von Transporten nach Asien. Die am weitesten östlich liegenden Lager befinden sich im Ural (Tscheljabinsk u. a.). Nur etwa 2000 Mann verblieben im ursprünglichen Kampfraum, nämlich in Kischinew. Sie gründeten dort die Lagergruppe 7198. Die Ausführungen dürften ein deutliches Bild ergeben haben. Zu erwähnen bleibt noch, dass von den 120000– 125000 Rumänien-Gefangenen, welche die Kriegsgefangenenlager erreicht haben, mit hoher Wahrscheinlichkeit noch ein weiterer Teil in den folgenden Jahren verstorben ist. „Das Hospital Budy bestand aus vier größeren Gebäuden, die teils kriegszerstört waren und denen meistens
Fensterscheiben fehlten. So verbrachten wir den Winter 1944/45 in diesem Hospital Budy bei Charkow unter äußerst ungünstigen Bedingungen. Die weit unter minus 20 Grad liegenden Zimmertemperaturen waren für die Kranken selbstverständlich schwer erträglich, insbesondere auch deswegen, weil für jeden nur eine Wolldecke zur Verfügung stand. An Medikamenten mangelte es sehr. Die Verpflegung war bis zum Kriegsende relativ gut, wurde
dann aber völlig unzureichend, so dass schwerste Fälle von Dystrophie auftraten, und gleichzeitig entstanden schwere Infektionen an Dysenterie, Typhus abdominalis und Fleckfieber. Das gesamte Hospital Budy war mit etwa 1800 Menschen belegt, und wir errechneten, dass wir jährlich drei- bis viermal ausstarben. Diese hohe Sterblichkeitszahl war im Wesentlichen durch die unvollkommene
Unterbringung und unzureichende Ernährung bedingt. Die Infektionen waren wegen Mangel an Waschgelegenheit besonders schwer zu bekämpfen. Das russische ärztliche und sanitäre Personal hat mit verschwindend geringen Ausnahmen sich in jeder Weise positiv für die Kranken eingesetzt. Die mangelhaften Zustände konnten von diesem Personal nicht behoben werden, da die verwaltungsmäßige Leitung nicht in den Händen des Sanitätspersonals lag.“ „Wir kamen in ein Lager in der Nähe von Magnitogorsk. Das ist eine Stadt im südlichen Ural. Unser Lager soll
vorher von rumänischen Gefangenen belegt gewesen sein. Es war anfänglich mit unserem Transport von zirka 5000 Gefangenen weit überbelegt. Die sanitären Zustände waren unter aller Kritik. So stand für die zirka 5000 Menschen nur eine kleine geschlossene Latrine mit vier Löchern zur Verfügung. Wie diese nach den ersten 24 Stunden
aussah, lässt sich denken. Die Baracken waren überbelegt. Dreistöckige Eisenbetten oder Holzpritschen, zweistöckig Mann an Mann, ohne jeden Zwischenraum. Dass die Unterkünfte schwer verwanzt waren, bedarf eigentlich keiner besonderen Erwähnung. In ganz kurzer Zeit hatten wir auch Kleiderläuse. Ein gütiges Schicksal
bewahrte uns im ersten Winter vor Flecktyphus. Damit hätte es ein noch weit größeres Sterben gegeben. Völlig unzureichend waren auch die Zustände, die im sogenannten Bad herrschten. Für die 5000 Menschen standen etwa 13–15 kleine Waschschüsseln zur Verfügung. Es wurde Tag und Nacht „gebadet“, aber der Läuse wurden wir im
ersten Winter nicht Herr. Die Verpflegung war unzureichend. Es gab die üblichen Kohlsuppen und Hafer-, Hirse- oder einen anderen Brei. Jede Sorte mehrere Wochen. Die Zahl der Toten stieg an. Sie betrug – diese Zahl habe ich genau in Erinnerung – in der allerschlechtesten Zeit 24 Tote in 24 Stunden, zumal noch eine Ruhrepidemie auftrat, die ihre Opfer forderte. Ich schätze die Zahl der Toten (einschließlich der auf dem Transport Verstorbenen) bis Ende Dezember 1944 auf 500. Die Zahl der Kranken betrug bis zu 1100. Nur ein kleines Kontingent ging unter diesen Umständen zur Arbeit. Die Bekleidung war
unzureichend. In den kalten Januar- und Februartagen wurden täglich bis zu acht Mann von der Baustelle gebracht, die vor Erschöpfung und Kälte zusammengebrochen waren. Da kaum eine Unterbringung in einem warmen Raum auf der Baustelle möglich war und der Transport in das Lager auf offenen kleinen Panjewagen erfolgten,
starb die Vielzahl dieser Kameraden. Man konnte ihnen ja auch im sogenannten Lazarett nicht helfen. Es gab keine Wärmeflaschen oder einfache Flaschen. Wolldecken waren nicht in ausreichendem Maße vorhanden. Die Kranken lagen meist zu dritt in zwei Betten. Injektionen von Traubenzucker, Strophanthin oder sonstigen Analepticis, mit Ausnahme von Kampfer, konnten nicht gegeben werden, da weder das Medikament noch Spritzen vorhanden
waren. Die Kranken starben in erster Linie an Unterernährung.
An zweiter Stelle standen Tuberkulose, Ruhr, denen vorwiegend die Jugend erlag.“ „Im Oktober 1944 kam ich dann mit einem Transport
von 5000 Mann in das Donezgebiet. Am 11. Oktober 1944 kam ich mit noch 1644 Mann in das Lager 144/4 Kamenka bei Kadiewka. Es dauerte keine drei Monate, so waren von 1644 Mann 800 Mann gestorben an Ruhr, Fleckfieber, Lungenentzündung, allgemeiner Körperschwäche u. a. Der Grund hierfür: zu wenig ärztliche Hilfe, Mangel an Medikamenten, Gleichgültigkeit der Lagerverwaltung,
schlechte Bekleidung und katastrophale Behandlung. Das Lager bestand nur ein Jahr, vom 11. Oktober 1944 bis 12. Oktober 1945.“
Nach diesen Ergebnissen bleibt leider nicht mehr viel Raum für die eingangs ausgesprochene Vermutung, die ehemaligen Rumänien-Kämpfer könnten in sogenannten „Schweigelagern“ stecken. Nüchtern betrachtet ergibt sich, dass von den 400000 bis 450000 Rumänien-Kämpfern etwa 180000-200000 mit ziemlicher Gewissheit während
der Kämpfe oder in Gefangenschaft den Tod gefunden haben, das ist nahezu die Hälfte. Zählt man noch die Zahl der bekannten Heimkehrer (etwa 80000) und die Zahl derjenigen hinzu, die sich nach Ungarn durchschlagen konnten (etwa 100000), so schrumpfen die Hoffnungen, es könnten noch viele ehemaligen Rumänien-Kämpfer am
Leben sein, auch wenn sie nie aus Gefangenschaft geschrieben haben, erschreckend zusammen.
 
   
 
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